Da die Besatzung des Dino auch schon wieder kasachischen Asphalt/Schotter/Sand unter den Rädern hat, rollen wir zum ausgemachten Treffpunkt beim Kaindy-See. Bei der Anfahrt zum See ist zweimal ein Fluss zu durchqueren, die erste Querung ist nach kurzer Beobachtung der anderen Verkehrsteilnehmer gut ohne großes Risiko für uns zu bewältigen, die zweite unmöglich, weil zu tief. Um nicht laufen zu müssen und das Geld für ein Buchanka-Taxi zu sparen, nehmen wir gern das Angebot an, ein Stück im Dino mitzufahren. Ida, die nach der ersten Besichtigung verkündet hatte, dass wir uns, wenn wir wieder zuhause sind auf jeden Fall auch einen LKW kaufen, will nach dieser Fahrt davon nichts mehr wissen. Es ist ihr ganz einfach viel zu laut. Um zu dem durch einen Erdrutsch entstandenen natürlichen Stausee zu gelangen muss man ab dem Parkplatz auf ein anderes Buchanka-Taxi oder auf ein Pferd wechseln. Oder,wie eine uns einschließende Minderheit, zu Fuß gehen. Oben am See ist es sehr schön, aber auch ziemlich touristisch. Am nächsten Tag wird es an den Kolsaj-Seen sogar noch schlimmer. Beide Ziele waren mir von (zumindest in meinen Augen) ziemlich coolen Outdoor-Cracks, den beiden kasachischen Pannenhelfern im Barskoontal, empfohlen worden. Dass man offenbar davon ausgeht, dass selbst Fernreisende mit Touristenhotspots zu begeistern sind finde ich etwas enttäuschend. Am Stellplatz treffen wir abends ein junges italienisches Pärchen, das mit Mietwagen und Zelt unterwegs ist. So leicht das Gepäck, so groß die Ambitionen. Sie wollen in kürzester Zeit ziemlich viel von Kirgistan und Tadschikistan bereisen. Dabei legen sie eine logistische Blauäugigkeit an den Tag, die selbst mich schaudern lässt. Völlig unerwarteterweise finden sie keine Kartuschen für ihren Gaskocher… Ich wittere eine Chance zur freundschaftlichen Völkerverständigung beizutragen, und schenke ihnen eine meiner kürzlich erworbenen Kartuschen. Leider ist die Freude beiderseits nur von kurzer Dauer, da es die falschen sind. Vor dem nächsten Touristenmagneten, dem Charyn-Canyon, gönnen wir uns anderthalb Tage Auszeit in der Steppe. Die Kinder spielen den ganzen Tag auf irgendwelchen Felsen. Gerade noch so in Sichtweite. Die Erwachsenen haben außer Essen machen den ganzen Tag nix zu tun. Der Charyn-Canyon wird wegen zu erwartender Hitze schon zeitig am Tag besucht. Wir wollen etwas mehr als nur ein kleines Stück wandern, werden aber von einem Ranger zurückgepfiffen. Es gab wohl Erdrutsche, die die Wege unpassierbar machen. Die Mehrheit der Reisegesellschaft ist aber deswegen nicht besonders traurig. Unser nächster Übernachtungsplatz ist nur deswegen erwähnenswert, weil er unter vielen (von Kühen, Schafen, Ziegen) vollgeschissenen Plätzen der mit Abstand vollgeschissenste war. Und weil alle beim Baden in einem gar nicht mal so sauberen Fluss einen mega Spaß haben. Einen weiteres Novum gibt es dann im Altyn-Emel-Nationalpark, als wir tatsächlich um kurz nach 7 Uhr morgens die ERSTEN !!! auf dem Parkplatz der Singenden Düne sind. Zur Einordnung gehört aber auch, dass es tagsüber gut warm wird, und es im Osten Kasachstans aufgrund nur einer Zeitzone in diesem riesigen Land, beizeiten hell wird. Die Düne wird bestiegen und anschließend auf dem Hosenboden rutschend wieder verlassen. Dabei entsteht (nur) auf der Ostseite durch den Sand ein brummendes Geräusch. Das von Gesang ziemlich weit weg ist. Witzig ist es trotzdem und die Sanddüne inmitten eher steiniger Umgebung auch ein ziemlicher Hingucker. Da man wieder mal nur einmalig Eintritt bezahlt, und dann so lange bleiben kann, wie man möchte gibt es per demokratischem Entscheid auch noch eine weitere Nacht im Park. Unsere letzte gemeinsame Nacht verbringen wir dann am extrem windigen Baldachschai-Stausee, von wo aus die Dinos nach Süden nach Almaty und wir Richtung Norden fahren. Wir fallen erneut auf einen Tipp eines sehr freundlichen Kasachen rein, und fahren zum Alaköl-See. Dieser markiert vermutlich den östlichsten Punkt unserer Reise, an seinen Ufern scheinen aber mehr Bauruinen als nutzbare Unterkünfte zu stehen und die angesteuerte Badestelle sieht auch alles andere als einladend aus. Nach einer verlängerten Mittagspause fahren wir zu unserem letzten Ziel in Kasachsten: Semei, dem ehemaligen Semipalatinsk. Wir besuchen das Denkmal für die Opfer der Nukleartests und nach einer Übernachtung am schönen Irtysch die Überreste der Stadt Schagan, in der die Wissenschaftler mit ihren Familien lebten sowie das unweit liegende Flugfeld mit einigen Bunkern.
